Gräfin
Thesia darf mit ihren über 60 Jahren immer noch als
eine der schönsten Frauen des Bornlands gelten: Weiß
und makellos wie Porzellan schimmert ihre Haut, wilde
Locken von der Farbe hellen Goldes ringeln sich auf die
Schultern hinab, von langen dunklen Wimpern gesäumt
sind die großen graublauen Augen, vollkommen ebenmäßig
die feingeschnittenen Züge, und wären die elegant
geschwungenen schmalen Brauen nicht oftmals spöttisch
gehoben und die Mundwinkel verächtlich herabgezogen,
wäre nicht der bisweilen eiskalte Blick, man könnte
sich dazu versteigen, in ihrem Antlitz eine puppenhafte
Niedlichkeit zu entdecken. An ihrer Gesamterscheinung
jedoch würde wohl niemand etwas niedlich finden.
Über neun Spann mißt die Gräfin, und ist
sie auch schlank, so erkennt doch der Kundige hinter der
Geschmeidigkeit ihrer Bewegungen die gedrosselte Kraft
und eine Gewandheit, wie sie nur Krieger durch jahrelange
ständige Übung erwerben.
Gräfin Thesia gilt als ein Liebling
der Göttin Rondra; wer sie schon einmal in leichter
Rüstung sah, mit Brünne, Helm und Schienen,
fühlt sich an das Norburger Standbild der Göttin
erinnert (für das sie möglicherweise in jungen
Jahren Modell stand). Doch beruht die Vermutung, daß
Gräfin Thesia von der Göttin ausgezeichnet sei,
natürlich nicht auf dieser Ähnlichkeit. Wie
viele Gegner sie im Zweikampf zu Boden schickte, weiß
sie nicht mehr. Und auch ihre Turniersiege hat sie nicht
gezählt, doch dürfte die Zahl neun eher zu niedrig
angesetzt sein. In den letzten Jahren sah man die Gräfin
allerdings immer seltener auf solchen Veranstaltungen.
Turniere, die allermeisten jedenfalls, seien etwas für
junge Wichtigtuer, meint sie, und man schlage den Feind
nicht dadurch, daß man ihm die Ehrenurkunde oder
den Siegerpokal unter die Nase halte.
Thesia ist nicht nur mit dem Schwert
eine Meisterin, auch den Säbel versteht sie ausgezeichnet
zu führen. Sie reitet ihren Falbhengst mit der Gewandtheit
eines Wüstenkriegers, und mit dem Langbogen übertrifft
sie so manchen Elf. Die enge Freundschaft zu den Kurkumer
Amazonen, speziell zu Amazonenkönigin Yppolita, zeigt
sich unter anderem darin, daß diese ihre Tochter
nach der Gräfin nannte: Thesia Gilia.
Thesia von Ilmenstein ist die ältere
der beiden Töchter Ilmin von Ilmensteins und einer
Hexe, deren Name in keiner Chronik verzeichnet ist. Nach
dem frühen Tod des Vaters lebten die Mädchen
- Thesia und ihre um ein Jahr jüngere Schwester Zelda
- bei der Mutter im Wald. Als auch diese starb, holte
sie der Herr über Ilmenstein, Ilmins jüngerer
Bruder Boromjew, zu sich aufs Schloß, wo sie gemeinsam
erzogen wurden, bis Zelda in der Nacht vor ihrem dreizehnten
Geburtstag Schloß Ilmenstein für immer den
Rücken kehrte. Daß Gräfin Thesias nicht
welkende, atemberaubende Schönheit auf ihr hexisches
Erbe zurückgeht, bezweifelt niemand in Sewerien,
weder Bronnjaren noch Bauern, aber sowohl diese wie jene
würden es niemals wagen, eine solche Behauptung laut
auszusprechen.
Nun, daß die Schönheit der
Gräfin von den Jahren unberührt bleibt, beruht
gewiß auf Magie. Die Schönheit selbst hat jedoch
nicht nur die Hexenmutter beigesteuert - die von Ilmensteins
waren schon immer ein auffallend stattliches und prächtiges
Geschlecht. Thesias Oheim Boromjew zum Beispiel soll seiner
Nichte kaum nachgestanden haben, was den edlen Wuchs und
das Ebenmaß der Züge betrifft. Daß er
seine Erbin zur Kriegerin ausbilden ließ, entsprach
guter Bronnjarentradition, daß er sie auch, kaum
fünfzehn Jahre alt, zu seiner Geliebten machte und
sie solch dunkle Seiten der Liebe lehrte, daß sie
kaum mehr rahjagefällig gennant werden können,
ist wiederum etwas, worüber nur gemunkelt wird und
wofür es keine Beweise gibt. Doch daß Thesia
in Haßliebe an ihn gekettet war, ist kein Gerücht,
und daß es ihr fast das Herz rbach, als sein 'Freitod'
sie daran hinderte, ihn eigenhändig niederzustrecken,
ebenfalls nicht.
Hatte Thesia in früheren Zeiten
mehr Feinde als Freunde unter den bornischen Adligen -
den einen galt sie als zu grausam, den anderen als zu
exzentrisch und verschwenderisch, und wiederum andere
hielten sie, je nach Standpunkt, entweder für eine
Reaktionärin oder eine Rebellin -, so ist ihr Ansehen
in den letzten Jahren beständig gestiegen. Dabei
ist den wenigsten bekannt, daß sie in der Ogerschlacht
bei den Trollzacken ein gutes Dutzend der Ungeheuer erschlug,
bevor sie selbst von ihren schweren Wunden und dem hohen
Blutverlust niedergestreckt wurde. Und auch von den Scharmützeln,
die sie - mitunter ganz allein - immer wieder mit den
Schwarzpelzen austrägt, die von Norden oder Nordwesten
ins Bornland eindringen, macht sie wenig Aufhebens: "Das
Land vom Ork freizuhalten, ist schließlich meine
Aufgabe als Bronnjarin", erwidert sie, darauf angesprochen,
mit einem Schulterzucken. Seit sie den vernichtenden Schlag
gegen den Verräter Uriel führte, wird sie in
ihrer Heimat wie eine göttinnengleiche Lichtgestalt
verehrt. Darum nimmt es nicht Wunder, daß ihr, während
sie selbst noch schwer verwundet auf der Löwenburg
daniederlag, von den eilig einberufenen, außerordentlichen
Adelsversammlung die Marschallskrone einstimmig angetragen
wurde (ein Amt übrigens, für das sie in der
Vergangenheit zweimal vergeblich kandidierte).
Gräfin Thesias Schlagfertigkeit,
ihr beißender Witz und ihre Scharfzüngigkeit
werden in Kreisen der Gesellschaft ebenso gerühmt
wie gefürchtet. Nur Menschen, die ihr wirklich nahestehen
- ihre Freundin Mirhiban von Pervin, Ugo von Eschenfurt
und Arvid von Geestwindkoje - wissen, daß ihre Nonchalance
und ihr gelegentlicher Übermut nicht unbedingt Ausdruck
schierer Lebensfreude sind. Im Gegenteil - Thesia ist
in den langen Jahren, die sie das Treiben der Menschen
und Götter beobachtete, zynischer geworden, und so
findet sie wahre Beglückung nur noch in dem kurzen
Vergessen, das der Rausch der Leidenschaft spendet.
© FanPro
Sie kommt in den Abenteuern "Die
Attentäter", "Zorn des Bären",
"Schwingen aus Schnee" sowie sehr ausführlich
im Roman "Das Zerbrochene Rad" vor. Sie ist
ein Charakter von Ulrich Kiesow und zudem eine von noch
vier Lebenden, die über das wahre Schicksal von Kaiser
Hal bescheid weiß.
Quellenangaben: "Rauhes Land im Hohen Norden",
"DSA Tools Deluxe", "Geographica Aventuria",
"Encyclopaedia Aventuria" |
| MU |
17 |
KL |
15 |
IN |
14 |
CH |
18 |
FF |
12 |
GE |
18 |
KK |
16 |
| AG |
2 |
HA |
3 |
RA |
3 |
TA |
2 |
NG |
4 |
GG |
3 |
JZ |
4 |
| ST |
19 |
LE |
107 |
|
|
|
|
AT/PA |
19/19 Rhutan (1W+8 TP)* oder Leuendan
(1W+9 TP)** |
|
AT |
24 mit einem Langbogen (1W+4) |
| MR |
13 |
RS |
3 Prächtiges
Iryanleder |
BE |
1 |
|
| Alter:
63 Jahre |
Größe: 182 Hf |
| Haarfarbe: hellblau |
Augenfarbe: blaugrau |
| |
| Herausragende
Talente: Boxen 8, Ringen 17, Dolche
12, Kettenwaffen 9, Peitsche 10, Scharfe Hiebwaffen
10, Schwerter 18, Stichwaffen 8, Zweihänder 8,
Lanzenreiten 10, Schußwaffen (Bogen) 14, Akrobatik
11, Körperbeherrschung 14, Reiten 14, Selbstbeherrschung
15, Sich Verstecken 9, Zechen 14, Betören 13,
Gassenwissen 12, Lehren 7, Menschenkenntnis 14, Fährtensuchen
10, Orientierung 14, Wildnisleben 10, Götter
und Kulte 7, Kriegskunst 15, Rechtskunde 13, Sprachen
Kennen 7, Fahrzeug Lenken 14, Heilkunde Wunden 7,
Singen 12, Gefahreninstinkt 14, Glücksspiel 12,
Sinnesschärfe 13 |
| |
Zusätzliche
Anmerkungen:
*) Das Langschwert Rhutan ist ein Erbstück aus
dem Hause Ilmenstein und das Schwert für Friedenszeiten.
Es hat folgende Werte: 1W+5 TP, BF -1, WV 7/7, KK-14.
**) Das Langschwert Leuendan ist ebenso Erbstück,
jedoch den Kriegzeiten angedacht. Es hat folgende
Werte: 1W+6 TP, BF -2, WV 8/8, KK-14.
Sie führt beide Schwerter als 'persönliche
Waffe'. |
| |
|