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Kapitel
IV - Wiederkehr
Denn im Jahre 18 Hal
wurden Gerüchte laut über Tod und Verderben
in der Gorischen Wüste. Angetrieben von den Bitten
einiger Gaukler, die ihre Gefährten und Familien
nahe der Wüste verloren hatten, wanden sich die Helden
dieser Herausforderung an - denn was sollte größere
Gefahr darstellen als der gewonnene Wettstreit. Doch was
sie in der Wüste fanden war stärker, schrecklicher
und todbringender als alles, was ihnen während der
Umsegelung Aventuriens gegenüber stand. Liscom von
Fasar, ein überaus mächtiger Magier, arbeitete
dort an etwas. An etwas, was die Welt verändern sollte.
Trotz der gewaltigen Kraft dunkler Magie gelang es der
Gruppe, unterstützt von Teclador dem Vorausschauenden,
die Arbeit Liscoms zu vernichten, doch in letzter Minute
konnte Liscom fliehen.
Und er kam zurück. Im Jahre 21 Hal trafen die Helden
um Refardeon erneut auf Liscom. In Dragenfeld, dem Schnittpunkt
zweier Kraftlinien begann Liscom erneut seine Arbeit.
Wieder versuchte er etwas zurück zu holen, was nicht
zurück geholt werden darf. Die Macht, die er dafür
beschwor, war so gewaltig und so vernichtend, dass Dragenfeld
nicht mehr so ist, wie es einmal war. Aber er war durch
seine Arbeit abgelenkt, dachte scheinbar, er wäre
zu gut geschützt. Er hätte niemals Refardeon
unterschätzen dürfen, denn in seinem letzten
Gefecht wurde er von diesem enthauptet. Was für ein
Sieg!
Ein Sieg? Liscom hatte etwas so unheimliches an sich,
mit seinem rubinfarbenen Auge. Doch erst einmal war die
Schlacht gewonnen, und Refardeon konnte mit seinem Mitstreiter
Angar den Titel "von Dragenfeld" für sich
beanspruchen, da er dies geschickt vor Annahme des Auftrags
mit dem Herzog von Weiden ausgehandelt hatte. Nur durfte
er nicht sich nicht auch noch "Baron" nennen,
zu groß war der Gildeneinfluß.
Schon während der Reise nach Dragenfeld bemerkte
Refardeon merkwürdige Veränderungen an seinem
Körper, und nach dem Abenteuer fühlte er sich,
als wäre er innerhalb eines Jahres um mehr als zehn
gealtert. Daraufhin nannte er sich erneut um, diesmal
in Dharkaron. Auf der Rückreise von Dragenfeld wurde
er erneut Opfer einer Veränderung. Sein Auge schmerzte,
mal war es trüb und er konnte kaum etwas sehen, doch
manchmal mal war er so klar, daß er selbst die Kraftlinien
wahrnehmen konnte. Die Träume, die ihn vor Jahren
im Norden gepeinigt hatten, kehrten zurück, doch
mit einer solchen Stärke, wie es für Träume
unüblich ist.
Er träumte von alten Kräften, von Fehden, die
lange zurück lagen, und von einer Macht, die war
und zurück kehren sollte, einer Macht, die nach Verrat
und Tod roch. Haß! Dharkaron fühlte ihn so
gewaltig wie nie zuvor. Und fast schon offen konnte er
sehen, wie er hintergangen werden konnte. Wer nannte sich
denn alles sein Freund, sein Bekannter, sein Gefährte.
Je näher jemand ihm war, desto eher konnte er ihn
verraten. Schließlich nahm sein Auge die rubinrote
Farbe an, wie es schon Liscom hatte. Das almadine Auge
kündete die Rückkehr an, und Dharkaron wartete
auf einen Feind, der ihm neu und doch alt vertraut war.
Viele scheuten das Auge, sprachen von Angst und Furcht,
doch waren es alles Feiglinge. Wer dem Blick Dharkarons
nicht standhalten konnte, galt für ihn als möglicher
Verräter.
Doch auch nach Liscoms Tod in Dragenfeld kam die Grafschaft
Weiden nicht zur Ruhe. Weiterhin trieben unheilige Kräfte
ihr Unwesen, diesmal in Gestalt von Vampiren. Auf der
Suche nach der Quelle des Übels stießen die
Helden auf eine alte, mächtige Hexe, die jedoch bereits
gebissen worden war. Sie bat die Gruppe, ihr die Gnade
zu gewähren, doch vorher tätowierte sie ihnen
Tiere auf die Hand, die nach kurzer Zeit wieder verblaßten.
Als Dharkaron sein Tier - einen Raben - erkannte, nannte
er sich von nun an den "Raben von Dragenfeld".
Nach dem Tod der Hexe zogen die Helden weiter, bis sie
schließlich den Grund für das Auftreten der
Vampire erkannten. In einem alten Turm arbeitete Pardona
an SEINER Rückkehr. Dharkaron kämpfte mit seinen
Mitstreitern bis zum bitteren Ende, doch diesmal unterlagen
sie.
ER kam zurück. Es war ein schwacher Trost, daß
er Pardona verhöhnte, die in ihrer Überschätzung
Dankbarkeit oder gar Hilfe von ihm erwartete. Die Helden
flohen vor der nun zornigen Pardona, indem sie ein Geschenk
Tecladors nutzten, uns somit einen Westwinddrachen herbeiriefen,
der sie nach Punin brachte, wo sie den erstaunten Mitgliedern
der dortigen Magierakademie von ihren Beobachtungen erzählten.
Man stellte Nachforschungen an und wartete auf die nächste
Handlung des Zurückgekehrten.
Kapitel V - Veränderungen
Im Laufe der Zeit veränderte sich Dharkaron. Das
almadine Auge schien eine eigene Erinnerung zu haben,
die mit der seinen verschmolz. Als wäre er selbst
damals von Assarbad hintergangen und verraten worden,
spürte er den Wunsch nach Rache. Als wäre er
dabei gewesen betrachtet er den Wiedergekehrten als Reinkarnation
des Verräters. Nach und nach verinnerlichte er diese
Erinnerungen, dass er es in manchen Situationen nicht
mehr verhindern konnte, von seinem Rachedurst übermannt
zu werden. Gleichzeitig wurde er mißtrauischer.
Nie wieder durfte ein solcher Verrat gegen ihn ausgeübt
werden. Akribisch genau beobachtete er die Handlungen
eines jeden, der in seiner Nähe war, führte
in Gedanken ein Protokoll über die kleinen Fehltritte
jedes Begleiters. Denn wie oft offenbarte sich in kleinen
Handlungen große Gedanken - und wie oft schon wurde
der Verräter nur durch genauste Beobachtung entlarvt?
Der Ruf der Gruppe war nun gewaltig angewachsen, und so
bat man sie, das Kloster Arras de Mott zu verteidigen,
während dessen Bau es zum Tode einiger Arbeiter gekommen
war. Und so zog Dharkaron erneut los, um für das
Gute zu kämpfen, und schnell stand fest, dass auch
dort eine gewaltige Macht am Werke war. Während den
Nachforschungen, wer genau hinter dem Angriff auf das
Kloster stecken könnte, begegneten die Helden Archon
Megalon, einem mächtigen Druiden. Mit dessen Hilfe
gelangten sie an eine verborgene Stätte, an der Pogolosch
einen magischen Halsring in Form einer Schlange erhielt,
dem große Kraft innelag. Schließlich wurde
auch die Gefahr für das Kloster abgewandt.
Doch die Gruppe kam nicht zur Ruhe. Als schließlich
im Jahre 25 Hal eine Enduriummine auf Maraskan angegriffen
wurde, vermutete man einen Akt des Dunklen, und so bat
man die Helden, erneut Nachforschungen anzustellen, wer
hinter dem Angriff auf die Mine stand. Nach etlichen Geplänkeln
mit den Widerstandgruppen der Insel gelangten die Helden
an die verlassene Mine und mußten feststellen, daß
sie nach einem Kampf aufgegeben wurde. Doch es gab eine
weitere Spur, die sie verfolgten. Doch als sie das Ziel
erreichten, mußten sie erkennen, daß sie erneut
einem Gegner gegenüberstanden, der nicht bezwingbar
zu sein schien. In einem Charyptoroth-Unheiligtum sollten
die aus dem Endurium hergestellten Dämonenschwerter
in andere Welten gebracht werden, um von dort aus weiter
Unheil zu stiften. Mit aller Kraft stemmten sich die Helden
gegen die Diener der Dunkelheit, doch im Kampf gegen einen
zehngehörnten! Dämon unterlagen sie. Zwei Mitstreiter
fielen, aber Dharkaron konnte dank seines Magierseils
der Anführerin ihr Szepter entreißen. Kurz
stand er daraufhin in Verbindung mit dem Zehngehörnten,
doch schaffte er es nicht, diese Kreatur zu beherrschen.
Zwar hatte die Gruppe das Ritual gestört, doch nicht
alle Schwerter blieben zurück. Zu einem Teil waren
die Helden gescheitert.
Auf dem Weg zurück nach Punin trafen sie erneut einen
echsischen Wächter, dem das für das Ritual benutzte
Szepter gestohlen war. Um seine Wächtertätigkeit
zu prüfen, ließ er jeden der Gruppe gegen ihn
antreten, und da er von niemandem bezwungen werden konnte,
hielt er seine Wächteraufgabe aufrecht. Als Dank,
so man es denn als Dank bezeichnen kann, wuchsen Pogolosch,
der dem Wächter am meisten zugesetzt hatte, einige
wenige Echsenschuppen auf der Schulter.
Doch größerer Dank wurde ihnen nach ihrer Rückkehr
nach Punin zuteil. Boron selbst, in dessen Namen sie die
Nachforschungen auf Maraskan angestellt hatten, schien
ihnen etwas Kraft zuzugestehen. Und wann immer sich die
Helden danach in fast ausweglosen Situationen befanden,
durften sie hoffen, ihre Lage durch ein Gebet zu Boron
leicht ins Bessere zu verkehren. Durch ihre Berichte wurde
klar, dass der Rückgekehrte auf Maraskan sein Unheil
trieb. Um ein Übergreifen auf ganz Aventurien zu
verhindern, entschloß man sich zur Reaktivierung
eines alten Bannspruchs, der vor langer Zeit gewirkt wurde.
Man hoffte, durch Bastrabuns Bann einen Kreis um Maraskan
zu ziehen, der die Gefahr dort hielt. Aber die Durchführung
der Zeremonie dafür war in Vergessenheit geraten,
und so bat die Magierkademie zu Khunchom Dharkaron und
seine Gefährten um Hilfe.
Und daher brachen sie auf, um die Komponenten für
Bastrabuns Bann wieder zu finden. Doch während sie
ihre Nachforschungen anstellten, erreichten sie ein kleineres
Dorf, das just in diesem Moment von einer Horde Chimären
angegriffen wurde. Sie konnten zwar die Chimären
besiegen, doch der Schaden im Dorf war immens, und so
beschlossen sie, die Ursache für den Angriff zu suchen.
Sie fanden ihn schließlich in den Bergen. Dort hatte
sich der Chimärenmeister Abu Terfas niedergelassen.
Er plante, große Teile des Südens mit Hilfe
einer Chimärenarmee zu erobern, um sie zusammen mit
dem Rückgekehrten zu beherrschen. Die Helden stellten
sich ihm in den Weg, fest entschlossen, seine Pläne
zu verhindern.
Ihnen zur Seite stand Tarlisin von Borbra, ein mächtiger
Magier, der jedoch auf Grund eines "Eigne Ängste
Quälen Dich!" einer Trolldrachenchimäre!
die meiste Zeit wimmernd am Boden lag. Doch in den Augenblicken,
in denen er zu kämpfen fähig war, stellte er
sich als großer Streiter heraus. Und endgültig
stellte er sich noch als etwas anderes heraus, denn als
die Gruppe den Chimärenmeister ausfindig machte,
und ihn angriff, um sein Vorhaben zu durchkreuzen, da
wandelte sich Tarlisin in jemand Mächtigeren. In
dem Augenblick, als das Glück die Helden verließ,
und Abu Terfas kurz vor seinem Triumph stand, enthüllte
sich der Rückgekehrte in Tarlisin, nicht willens,
seine zukünftige Macht mit einer niederen Kreatur
wie einem Chimärenmeister zu teilen. In Kürze
vernichtete er diesen und ließ die Gruppe rat- und
orientierungslos zurück. Zwar hatten sie in den Büchern
Abu Terfas die Komponenten für Bastrabuns Bann gefunden,
doch das selbstsichere und machtvolle Auftreten des Wiederkehrers,
der doch immer noch kaum etwas von seiner früheren
Macht besaß, schürte die Ungewissheit darüber,
ob der Bann seine Pläne denn wirklich aufhalten könnte.
Danach verschloss sich Dharkaron immer mehr. Er besaß
Macht und Wissen, seine Privatbibliothek umfaßte
einige der wertvollsten Bücher Aventuriens, und das
gab bestimmt Anlaß, ihn zu verraten. Selbst seiner
Gemahlin, Sorsha, die er nach Abschluß der Weltumsegelung
geheiratet hatte, mißtraute er. Doch wie sehr er
sich auch die Sicherheit reiner Vertrauten wünschte,
sein Rachedurst und die Erkenntnis, das der, auf den er
schon seit ewigen Zeiten wartete, nun endlich zurück
gekehrt war, trieben ihn erneut ins Feld.
Kapitel VI -
Krieg
Als die Kunde eines gewaltigen Angriffs auf Tobrien an
sein Ohr drang, zögerte er keine Sekunde. Zusammen
mit seinen Gefährten wandte er sich gen Beilunk und
von dort aus weiter in den Norden. Von einer Angehörigen
der Amazonen erhielt die Gruppe die Bitte, die verschwundene
Prinzessin Gilia zu suchen, auf der große Hoffnungen
der Kriegerinnen lagen. Doch noch während der Nachforschungen
ihren Aufenthaltsort betreffend, sichteten die Helden
ein Heer, das so gewaltig war, wie sie es noch nie zuvor
gesehen hatten. Daraufhin brachen sie ihre Suche ab, um
schnurstracks Burg Kurkum, die Machtbasis der Amazonen,
aufzusuchen. Sehr schnell wurde offenkundig, daß
genau diese Feste das Ziel der plündernden Heeres
war, denn Kurkum war ein zu gewaltiger Stachel, als dass
man ihn auf dem Marsch durch Tobrien ignorieren könne.
Auf Grund dieses Wissens wurden die Helden gebeten, bei
der Verteidigung der Burg auszuhelfen. Und jeder tat,
was er am Besten konnte, denn sollte es gelingen, dem
herannahenden Heer vor Kurkum die Zähne zu ziehen,
so wäre ein beachtlicher Teil der Invasionsmacht
bereits besiegt. Drei Tage lang währten die Vorbereitungen
auf eine Belagerung, bis die Streitmacht schließlich
ihre Zelte vor den Mauern aufbaute. Nun sollte sich zeigen,
wie wertvoll die Vorbereitungen wirklich waren. Welle
um Welle brandeten die Angreifer gegen die Mauern, und
immer wieder wurden sie zurück geschlagen, nur um
etwas Zeit später erneut anzurennen.
Nur ein Wunder Rondras brachte wenigstens ein bißchen
Ruhe für die Verteidiger ein, doch bald sollte sich
zeigen, daß stürmende Krieger und selbst garstige
Dämonen nicht die größte Gefahr darstellten.
Denn als die Angreifer endlich Breschen in die stolzen
Mauern geschlagen hatten, erschien ein Paktierer, der
mit einer großen und schrecklichen Macht jenseits
der Welt der Lebenden im Bunde stand. Kopf um Kopf fiel
unter den Schlägen seines flammenden Schwertes, und
wen er gerade erst getötet hatte, erweckte er erneut
zum Leben, auf daß er ihm nach dem Tode diene. Große
Verzweiflung breitete sich unter den letzten Amazonen
aus, als sich plötzlich das Blatt wendete.
Doch plötzlich erschien wie aus dem Nichts ein Kaiserdrache,
der auf seinem Rücken Bupu,
eine Zwergenprinzessin aus der Gruppe um Dharkaron, trug.
Aber während er der Burg zur Hilfe kam, fiel Ypollita,
die Königin der Amazonen dem Paktierer zum Opfer.
Nun übernahm der Zorn des alten Drachen sein Handeln,
und ohne Rücksicht auf Freund und Feind ließ
er seinen Flammenatem über die Burg fallen. Angreifer
und Verteidiger, Recke und Bauer, sie alle starben im
Feuer des Drachen. Lediglich diejenigen, die sich im Rondratempel
verschanzt hatten, überlebten. Doch auch unter ihnen
gab es Verluste. So starb Saronne,
die Schülerin Dharkarons, noch nach Ende der Kampfhandlungen
bei dem Versuch, den niedergemetzelten Pogolosch mit Blutmagie
wieder ins Leben zu holen.
Zwar hatte die Schlacht große Opfer unter den Angreifern
gefordert, doch der Niedergang Kurkums und der Tod der
Königin Ypollita stellten schmerzhafte Verluste dar.
Da die Helden nun nahe der Front in Tobrien weilten, beschlossen
sie, sich in Beilunk für weitere Aufgaben zu melden.
Und da im Krieg immer wichtige Aufträge anstehen,
fanden sich die Helden bald der Bitte des Herzog Bernfried
von Ehrenstein gegenüber, die von seinem zur dunklen
Seite gewechselten Bruder Arngrimm entwendeten Eberhauer
zurück zu bringen. Die Kämpferin Celissa nahm
den Auftrag auch sogleich an, was wiederum Dharkaron an
den Rand der Weißglut brachte. Es herrscht Krieg,
die Heere des Wiederkehrers erringen Sieg um Sieg und
er soll ausgeschickt werden, um Wildschweinzähne
zu klauen? Auch die weiteren Erklärungen, es handle
sich dabei um ein rondraverbundenes Artefakt und man solle
während der Reise noch Prinz Dietrad von Ehrenstein
aus seinem Untotendasein erlösen, konnten den Magier
kaum beruhigen. Und so schien die ganze Reise bereits
zu Beginn unter einem schlechten Omen zu stehen.
Um zur Feste Arngrimms zu gelangen, mußte die Gruppe
bei Eslamsbrück einen Flußüberqueren,
der weit über die Ufer getreten war und zudem einem
achtgehörntem!! Dämon Unterschlupf bot. Während
die Gruppe noch diskutierte, schwamm Celissa los. Ohne
richtigen Plan wurde die Gruppe so schnell getrennt, und
die Überquerung des Flusses forderte zwei Leben,
einmal das des Herumtreibers Henry und das des Zwergen
Gilgamosch. Doch war dies bei weitem nicht das Ende der
ungünstigen Ereignisse. Weit in Feindesland eingedrungen,
überfiel die Gruppe einen Konvoi der Feinde und erbeutete
unter anderem einen Ring. Dharkaron untersuchte ihn und
stellte eine magische Matrix fest, die von so deutlicher
Präzision erstellt war, daß es ihm die Sprache
verschlug. Wer immer diesen Ring hergestellt hatte, er
mußte ein hoher Meister der Magie gewesen sein.
Und daß dieses Artefakt gerade dem Rückkehrer
überbracht werden sollte, gab noch mehr Rätsel
auf.
Kapitel
VII - Reise
Doch noch während der Untersuchung des Ringes durch
Dharkaron offenbarte er seine ganze Macht. Er riß
die gesamte Gruppe mit sich zurück, zurück in
eine Zeit, die weit vor der Gegenwart der Helden lag.
Nur Dharkarons Erinnerung reichte teilweise weiter zurück.
Und während die Gruppe noch die Eindrücke der
Zeitreise verarbeite, trafen sie auf denjenigen, der den
Ring geschaffen hat. Ein Ring, die Besten zu finden, sie
zu ihm zu bringen, auf daß sie eine Aufgabe erfüllen,
die weit jenseits allem stand, das die Gruppe jemals erledigt
hatte. Rohal persönlich beauftragte sie, in die Feste
Borbarads einzudringen und dort das kristallene Herz zu
finden, in dem Borbarads Lebenskraft verborgen lag. Denn
die Ergreifung des Herzes stellte den Schlüssel zum
Sieg der Truppen Rohals gegen die Heere seines Bruders
dar.
Nun war sich Dharkaron sicher: Dies irae, dies illa, solvet
saeclum in favilla! Der Tag der Rache, des Zorns, war
gekommen. Sein Drang, den alten Verrat zu rächen,
nahm augenblicklich wie ein Fluch Besitz von ihm. Er führte
die Gruppe durch die Anweisungen Rohals in die Feste,
begierig, den alten Widersacher zu vernichten. Doch ist
eine Burg groß und es gibt viele Orte, ein Herz
zu verstecken. So blieb der Gruppe nichts anderen übrig,
als die Feste Zimmer für Zimmer zu erkunden. Eine
große Entdeckung machten sie im Keller. Sie fanden
zwar nicht das Herz, doch einen Blick zurück und
vorwärts über Zeiträume, die jenseits ihrer
Vorstellungskraft lagen. Dieser Blick veränderte
jeden, der ihn unternommen hatte, und Dharkaron gewann
dadurch noch mehr an Klugheit. Doch nahmen die Streitigkeiten
innerhalb der Gruppe immer mehr zu. Der schwelende Machtkampf
zwischen Celissa und Dharkaron brach erneut auf, und der
Magier sah selbst in den Tätigkeiten Pogoloschs,
der ihn nun seit mehreren Jahrzehnten begleitet hatte,
feindselige Handlungen. Nachdem der Zwerg versucht hatte,
Dharkaron gegen eine magische Barriere zu schieben, erkannter
dieser, daß er sich im Grunde nur auf sich selbst
verlassen konnte. Dies trieb ihn dazu, einen Schwur von
seinen Gefährten zu verlangen. Solange sie sich außerhalb
ihrer Zeit befanden, durften sie einander nicht mit Waffengewalt
noch waffenlos noch auf geweihtem oder magischem Wege
gegenseitig angreifen oder beeinflussen.
Bei der weiteren Suche nach dem kristallinen Herz gelang
Dharkaron zum ersten Mal in seinem Leben ein Blick durch
ein Schwarzes Auge. Zwar drängte ihn Borbarad schnell
aus der Vision des Auges, doch die kurze Zeit reichte
aus, um einen Blick auf den Aufbewahrungsort des Herzens
zu werfen. Es dauerte nun nicht mehr allzu lange, bis
die Gruppe den ersten Teil ihres Auftrages erfüllt
hatte. Nach einem Kampf gegen ein aus Insekten bestehendes
Monster und der erstmaligen Freisetzung von Borbarad-Moskitos
eroberten sie das Herz. Die Suche war abgeschlossen, und
nun begann die lange Wacht. Schnell kamen die ersten Angreifer,
um in Borbarads Namen das Herz rückzugewinnen...
Dämon um Dämon, Dschinn um Dschinn, Monster
um Monster griffen an, doch konnten die Helden stets standhalten.
Als jedoch Beorn der Blender erschien, um das Herz im
Namen Pardonas zu fordern, schaltete ihn Dharkaron zwar
mit einem gezielten Hieb aus, aber seine Ausführungen,
die Helden würden ein Zeitparadoxon erschaffen, brachte
ihn zum Nachdenken. Irgendetwas konnte nicht stimmen.
Doch erst als eine weitere Person erschien, ein Ebenbild
des Auftraggebers Rohal - oder doch sein Zwillingsbruder?
-, und ihnen die Möglichkeit gewährte, die vor
der Burg stattfindende Schlacht durch ein Auge zu verfolgen,
erkannten die Helden, dass sie dem falschen Bruder dienten.
In höchster Eile zertrümmerten sie das Artefakt
und wendeten so das Geschehen im Kampf. Danach wurden
sie wieder zurück in ihre eigene Zeit getragen. Dharkaron
war ob der Geschehnisse stark verwirrt, und noch Monate
später war er sich nicht sicher, ob es nun ein Sieg
oder eine Niederlage im Kampf gegen den Wiedergekehrten
war.
Kapitel VIII
– Krieg, Teil 2
Nicht, dass ihnen nun wohlverdiente Ruhe gewährt
würde, die sie nach den Strapazen in der Vergangenheit
dringend benötigten. Nein, es wartete die Vollendung
des Auftrags auf sie, den sie in dieser Zeit angenommen
hatten. Befreit das heilige Artefakt der Rondra aus den
Klauen Arngrimms. Doch die Reise in Feindesland erwies
sich als überaus gefährlich, und schon bald
kamen die Helden in einen Hinterhalt, aus dem sie sich
nur mit Hilfe des Rebellen Baron von Dunkelstein befreien
konnten. Das Treffen mit ihm erwies sich als Glücksfall
für die Helden, wusste er doch nicht nur sichere
Wege durch die besetzten Gebiete, er bot sich sogar an,
die Gruppe durch einen Geheimgang direkt unter Arngrimms
Burg zu führen. Ohne größere Schwierigkeiten
gelangten sie so tief in die Feste des Feindes. Und schließlich
konnten sie den Ort entdecken, an dem die heiligen Eberhauer
aufbewahrt wurden. Der untote Prinz Dietrad, der auf Erlösung
wartete, war ebenfalls zugange.
Dharkaron wollte die Situation weiter beobachten, indem
er sich in ein Chamäleon verwandelte. Wie schon viele
Male zuvor erstarrte sein Körper und sein Geist wanderte
in das Tier. Doch etwas stimmte nicht! Dharkaron spürte,
wie das schmale Band, das seinen Geist an seinen Körper
fesselte, immer dünner wurde. Panik überkam
den Magier. Hatte er sich zu weit vorgewagt? Noch während
Fragen der Angst seinen Geist marterten, spürte er
aufkommende Eiseskälte und ihm wurde klar, dass er
seinen Körper nicht mehr erreichen konnte. Das Band
war zerstört, der Rückweg aus dem Köper
des Tieres dahin. Er war gefangen in einem Ort, der schlimmer
als jeder weltliche Kerker war. Nun lag sein Heil in den
Händen der Anderen. Glücklicherweise konnte
er sich mit ihnen verständigen, indem er Worte auf
seiner Haut erscheinen konnte. Seine Intuition damals
war richtig - das Chamäleon war das bessere Tier.
So mussten seine Mitstreiter nun seinen Körper und
die Tiergestalt tragen, während Dharkarons Geist
erneut von seinen alten Träumen der Schwäche,
der Vergänglichkeit und des Versagens geplagt wurde.
Er hätte stärker sein müssen! Er sollte
stärker sein! Viel stärker.
In den nächsten Tagen verschloss der Magier immer
mehr seinen Geist. Wie durch einen unwirklichen Schleier
bekam er mit, dass die Gruppe die heiligen Eberhauer entdeckte,
Prinz Dietrad erlöste und sich den Rückweg freikämpfte.
Nur selten verließ Dharkaron seine Trance um aktiv
die Anderen zu unterstützen. Über Wochen hinweg
beschäftigte er sich mit höheren Fragen. Schließlich
gelangten sie in sicheres Gelände. Vor Ysilia trafen
sie erneut auf Herzog Bernfried, der freudig die Hauer
entgegen nahm. Er hatte sein Heer weit vor den Toren der
Stadt aufgeschlagen, um die heranrückende Streitmacht
Arngrimms zu vernichten. Doch zuerst sollte der mächtigste
Magier in seinen Reihen Dharkaron entzaubern. Aber dieser
versagte kläglich. Nicht nur, dass er vor seinem
ersten Versuch es wagte, Dharkaron zu verspotten. Nein,
anschließend brachte er es sogar fertig, die Thesis
des Verwandlungen beenden dermaßen in seiner Arroganz
zu verunstalten, dass er einen Hellsicht trüben auf
den Versteinerten sprach. Erst nach einer weiteren Nacht
konnte Dharkaron im vierten Versuch entzaubert werden.
Dies brachte das Fass zum Überlaufen. Der Magier
erkannte, wie richtig seine Gedanken in den letzten Tagen
waren: Wieso war er immer noch so schwach? Er, der an
der Seite Phileassons gesegelt war, der die Inseln im
Nebel erforscht hatte, der mit Rohal und Borbarad gesprochen
hatte. Er müsste stärker sein. Doch Gut und
Böse halten sich von jeher die Waagschale. Nur derjenige,
der über den Konventionen steht, der seinen eigenen
Codex entwickelt und sich von niemandem in die Schranken
weisen lässt, kann machtvoll sein. Dharkaron wusste,
dass er jemanden benötigte, der ihm glich und doch
verschieden von ihm war. Jemanden mit gleichen Zielen
und anderen Mitteln. Einen neuen Schüler!
Mit diesen Gedanken war die anstehende Schlacht für
ihn erst einmal nicht wichtig. Nach kurzer Inspektion
erkannte er, dass das angreifende Heer Arngrimms stark
unterlegen war, während im Westen unbemerkt ein eine
Meile langes magisches Band lag. Wie deutlich könnte
man sonst eine Falle markieren? Er wollte sich nicht beteiligen
an dieser Schlacht, an einem erneuten Beweis dafür,
dass Konventionen unterliegen.
Und daher zog er sich zurück, als die Schlacht
begann und der Herzog Tobriens die Erfüllung der
Eide seiner Ritter verlangte. Doch sein Wunsch, so nicht
an der Schlacht teilzunehmen, blieb unerfüllt. Hinter
dem Rücken der kämpfenden Krieger stahl sich
Lutisana von Perricum in die Reihen der Tobrier, danach
trachtend, die Schutzbedürftigen heimtückisch
zu ermorden. So geschah es, dass der Magier sich mit der
mächtigen Heerführerin konfrontiert sah. Als
wäre das nicht genug, stand ihr auch noch ein Magiekundiger
zur Seite, so dass Dharkaron sich Schwert und Stab gegenüber
sah. Als er erkennen musste, dass er nicht gegen die zwei
angehen konnte, schaffte er es, sich durch Anwendung der
Verbotenen Pforten mehr tot als lebend aus der Kampfeszone
zu teleportieren. Wie durch einen dichten Nebel konnte
er erkennen, dass die Schlacht nur durch ein Wunder nicht
verloren wurde – die Falle der Angreifer war aufgegangen,
just wie der Weitsichtige es prophezeit hatte. Der Herzog
Tobriens wusste diese Eigenschaft des Magiers zu würdigen
und ernannte ihn zum ersten Feldmarschall der Landes.
Dharkaron ahnte nicht, wie ihm geschah; erst viel später
erkannte er die Chance, die ihm gegeben wurde.
Kapitel IX – Feldherr
Nun war er Heerführer, besaß Macht. Hatte
er sich nicht während der demütigenden Reise
von Arngrimms Feste mehr Macht erhofft?
Wer immer an seinem Teppich webte – Praios war es
nicht, dessen war er sich sicher – schien ihm gut
gesonnen zu sein.
Nach der Ankunft des sich zurückziehenden Heeres
in Ysilia, der letzten befestigten Stadt Tobriens, die
noch nicht unter den Stürmen des Wiedergekehrten
zerborsten war, machte Dharkaron sich daran, die ihm angebotenen
Fäden zu verknüpfen. Eine neue Schülerin
konnte er schnell finden. Sie kam aus Fasar - welch Ironie,
dachte der Magier - war es doch Lisom von Fasar, durch
den er das Wissende Auge erhalten hatte. Jenes Auge, dass
ihn zu seinem Taten trieb, das ihm befahl, mächtiger
zu werden, um sich dem Weltenverderber auf Augenhöhe
stellen zu können. Sie schien ein wenig naiv zu sein,
konnte noch nicht jenseits der Schranken sehen, die ihr
durch ihre Ausbildung auferlegt worden waren. Aber das
spielte nun keine Rolle – er würde ihr die
Möglichkeiten noch zeigen. Auch als Feldmarschall
arbeitete er in die gewünschte Richtung hin. Er beteiligte
sich an dem Aufbau des Verteidigungsringes um die Stadt,
die den entscheidenden Angriff Arngrimms bald erwartete.
Immer war er mit seinen Ratschlägen präsent,
stets wartend auf den Augenblick, da er seine Pläne
in die Tat umsetzen konnte.
Und schon wieder schien das Schicksal dem Magier wohlgesonnen
zu sein. Praiosgeweihte berichteten von einer Vision,
die das Hauptheer Arngrimms im Süden zeigte. Und
auch die Rondra-Kirche bestätigte den Traum. Sie
baten darum, die Stadt zu verlassen, um dem Heer weit
vor den Toren aufzulauern. Innerlich jubilierte Dharkaron.
Besser hätte es nicht geschehen können. Er wusste
nicht, wer den Leichtgläubigen solche Dinge in den
Kopf gesetzt hatte, war es doch offensichtlich, dass Arngrimm
hier angreifen würde. Trotzdem schickte er die Heere
aus, stets mit dem Hinweis auf die göttliche Fügung.
Selbst wenn die Stadt durch diese Dummheit des Heeres
fallen sollte, für die Pläne des Magiers bedeuteten
sie einen großen Fortschritt. Und wie es Dharkaron
beabsichtigt hatte, geschah es. Ein Großteil der
abkommandierten Streitkräfte folge dem Ruf Praios
und Rondras, doch das Heer Arngrimms schlich über
verwunschene Pfade bis an die Stadt und griff an. Vieles
hatte der weise Magier vorausgesehen, doch plötzlich
stockte selbst ihm der Atem. Eine riesige Dämonenarche
erhob sich aus den Wassern des Ysilisees und stemmte sich
gegen die Mauern der Stadt, die diesem widernatürlichen
Druck nachgaben. Grässliche Kreaturen strömten
durch die Breschen, doch vor allen anderen Dingen musste
die Arche besiegt werden. Der Magier selbst führte
den Ausfall an, und selbst als ein Goblin ihn vorübergehend
ausschaltete, steigerte dies nur seine Wut. „Töte!“
schrie das Almadine Auge in seinem Geist, als er wieder
und wieder sein gleißendes Flammenschwert auf das
Dämonengezücht niedergehen ließ. Doch
trotz seines Kampfrausches besann er sich weiterhin auf
seine magische Kraft, und so gelang es ihm und seinen
Mitstreitern schließlich, die Dämonenarche
zu besiegen. Gurgelnd und knackend versank sie wieder
in den rumorenden Wassern des Sees. Dass sie dabei auch
den zweiten Marschall mit sich in die Tiefe zog, stimmte
den Magier nicht traurig, vermutete er doch Neid und Rachsucht
in jenem, da er vom Herzog zu Dharkarons Gunsten abgesetzt
worden war.
Doch nun stand die Stadt in Flammen, und der Herzog versammelte
die letzten Überlebenden um sich, um die weitere
Verteidigung abzusprechen. Die Stunde des Magiers war
gekommen! Während ein Ritter erneut von Vertrauen
in Rondra sprach, ergriff Dharkaron das Wort und hielt
eine Rede, an der er schon seit Wochen arbeitete. Er würde
sich nicht durch die Einschränkungen eines Praios
oder einer Rondra binden lassen. Sein Land werde von einer
Armee angegriffen, die alle ihr möglichen Mittel
nutze, und er selbst werde auch alle Mittel zur Verteidigung
nutzen, die ihm gegeben seien. Mit einer Ausnahme –
die des Paktes mit einem Dämon. Und schließlich,
fügte er hinzu, sei es ja anscheinend der Wunsch
der Götter gewesen, das Hauptheer abzuziehen. Wie
solle man dann noch auf sie vertrauen können? Seine
Saat ging auf. Wie von ihm gefordert, ließ der Herzog
verlauten, dass in dieser Schacht jeder nach seinem Gutdünken
kämpfen solle. Dharkaron durfte nun auch die dunkle
Seite der Magie offen anwenden, was seine Möglichkeiten
und seine Macht noch weiter vergrößerte.
Doch weiterhin drängten die Schergen des Wiederkehrers
in die Stadt, und Haus um Haus ging verloren. Schließlich
mussten sich die Verteidiger über viele Umwege zum
Bergfried zurückziehen, der mit seinen drei Verteidigungsringen
die letzte Bastion zwischen dem dunklen Heer und dem Herzen
Aventuriens darstellte. Dharkaron organisierte die Verteidigung
kalt und planend. Wer ein Sicherheitsrisiko darstellte,
wurde genau beobachtet oder direkt ausgeschaltet. Nichts
durfte jetzt noch seinen Plan zerstören. Wenn er
den Bergfried hielt und weiterhin eine hohe Position innehatte,
dann könnte er vielleicht mittels eines Strohmannes
die Macht in diesen Ländern an sich reißen.
Schließlich versammelten sich die übrig gebliebenen
Kämpfer um den Feldmarschall. Er gab die letzten
Anweisungen und bereitete seine Untergebenen auf den erwarteten
Angriff vor. Doch der Feind versuchte zuerst, die Verteidiger
zu täuschen. Mit einer List wollten sie die Öffnung
des Tores erzwingen. Dharkaron enttarnte das Manöver
durch einen geschickten Schachzug und ließ daraufhin
das Feuer von den Zinnen auf die Angreifer eröffnen.
Die Macht und Stärke jedoch, die die Horden des
Wiedergekehrten besaßen und die Taktiken eines Haffax’
nötigten die Mitstreiter, schon bald das erste Tor
aufzugeben. Und dies war nicht so schlimm wie die weiteren
Ereignisse, die den Plan des Magiers durchkreuzten. Während
eines verzweifelten Kampfes fiel Celissa von Bachenthal
zu Perainestein, die beste Kämpferin der Gruppe.
Dharkaron betrauerte ihren Tod, denn mit ihr hatte er
sowohl ein Druckmittel gegen feindlich gesinnten Individuen
als auch eine einfach zu manipulierende Person verloren.
Er musste sein Vorhaben ändern, denn mit ihrem Tod
musste er auch seine Hoffnungen, den Herzog von Tobrien
durch einen Strohmann auszutauschen, aufgeben.
Doch es kam noch schlimmer: Als sich alle Krieger mit
Ausnahme des Magiers zurückzogen, streute ein fliegender
Dämon eine Substanz aus, die sich tief in den Boden
fraß. Ein bodenloses Loch entstand. Erst jetzt gab
auch Dharkaron seinen Posten auf und untersuchte den Abgrund.
Schon im ersten Kontakt spürte er die Macht, die
aus der Tiefe strahle. Was immer dort unten sein mochte,
es war mächtiger als alles, was sich hier oben im
Kampf befand. Doch zum ersten Mal seit langer Zeit verließ
ihn sein Mut. Zögernd stand Dharkaron am Rand der
Schlucht und wartete. Über sein Auge konnte er die
Anziehungskraft der Macht spüren. „Hier bin
ich“, hört er eine Stimme in seinem Kopf. „Ich
bin Macht. Ich gebe dir, was du haben möchtest. Komm
hinunter!“ Als er weiter zauderte, wandte Bupu einen
Trick an und suggerierte ihm, das Boron persönlich
ihn aufforderte, nicht hinabzusteigen. Wahrscheinlich
eher wegen seiner Mutlosigkeit als wegen des göttlichen
Befehls ließ Dharkaron von seinen Überlegungen
ab und zog sich mit den weiteren Verteidigern zum Bergfried
zurück. Von dort aus sahen sie ein Szenario, welches
sie kaum glauben konnten. Fast alle Angreifer hatten sich
zurück gezogen und warteten ebenso wie die Kämpfer
Dharkarons auf das, was nun aus der Erde erscheinen sollte.
Nach und nach quoll ein großer Strom Lava aus dem
Erdinneren, und für einen Augenblick war Dharkaron
wieder in Einigkeit mit dem Zwölfgötterglauben.
Doch schon bald überkamen ihn neue Zweifel. Hatten
nicht Praios und Rhondra dafür gesorgt, dass der
größte Teil der verteidigenden Streitmacht
abgezogen wurde? Was, wenn die Macht in der Tiefe nicht
Borons war? Was, wenn Boron verhindern wollte, dass er,
Dharkaron, der Rabe von Dragenfeld, der Träger des
Almadinen Auges, diese Macht besaß? Was, wenn die
Götter sich nicht nur abgewandt hätten, sondern
gegen ihn stünden?
Wieder driftete sein Geist hinüber in die dunklen
Sphären. Er würde sich mit seiner Schülerin
Asaria beraten müssen. Er würde sie in das,
was er vorhatte, einweihen müssen. Und von ihrer
Reaktion sollte es abhängen, ob sie gemeinsam als
Meister und Schüler kämpfen sollten, oder ob
er völlig auf sich gestellt sein würde. Aber
was sollte mit seinen Mitstreitern geschehen? Zugegeben,
die meisten interessierten den machtbesessenen Magier
nicht arg, ausschließlich Pogolosch sollte nicht
unter den Hieben seiner Waffen fallen müssen. Doch
noch war er zu schwach, hatte viel zu viel seiner Kraft
für die Verteidigung Ysilias ausgeben müssen.
Wenn er wieder mächtiger wäre, dann würde
er zuschlagen, dann würde er sich offenbaren.
Viel zu schnell wurde der Magier wieder aus seinen Gedanken
gerissen, denn die wenige Zeit, die die verbleibenden
Kämpfer hatten, nahm weiter ab. Mutlosigkeit machte
sich unter den Verteidigern breit, als schließlich
doch ein Großteil des ursprünglich abgezogenen
Heeres zurück kam. Tobriens Herzog erkannte die letzte
Chance, die sich ihnen bot und ordnete an, dass Ysilia
aufzugeben sei. Wenn das dunkle Heer sich den neuen Angreifern
zuwenden sollte, wollten sie den Bergfried durch verborgene
Gänge verlassen. Dharkaron war wenig begeistert von
dem neuen Plan, sah er doch vor, dass er seine gerade
erst gewonnene Stellung wieder abgeben musste. Denn was
nutzte schon der Titel des Feldmarschalls, wenn es kein
Land mehr gab, dass er zu verteidigen hatte. Doch während
er bereits Pläne schmiedete, wie man die Krieger
zum Verbleib befehlen konnte, geschah etwas, dass auch
seine Zielsetzungen änderte: In dem Vermächtnis
der Akademie zu Ysilia fand man die Alhanier - Kappe,
die in Kombination mit dem dazu gehörigen Schwert
großes Wissen versprach. Nun war klar, was Dharkaron
in den nächsten Monaten zu tun hatte. Was kümmerte
ihn denn schon ein kleiner vom Feind besetzter Landstrich,
wenn er unermessliches Wissen erlangen konnte! Das Angebot
des Herzogs, ihn aus seinen Diensten zu entlassen, nahm
er dankend an, sah er doch seine Zukunft in der Suche
nach dem Alhanierschwert.
Kapitel X – Macht und Magier
Noch während der Magier seine Gedanken ordnete und
nach einer Möglichkeit suchte, wie er an möglichst
viele Informationen über das Schwert gelangen konnte,
erhielt er eine Einladung zu einem Magierkonvent in Punin.
Die Magier wollten über Gegenmaßnahmen beraten,
wie sie den Sphärenschänder bekämpfen konnten
und baten ihn und seine Gefährten, über die
Erlebnisse zu berichten. Er nahm die Einladung an, bedeutete
dies doch für ihn eine große Chance, an Wissen
über das verschollene Schwert zu kommen. So machte
sich die Gruppe nach Punin auf, und erneut war es einzig
der Magier, der seine Mitstreiter über die eigentlichen
Intentionen der Reise im Unklaren ließ.
Zwiespältig
begrüßte der er die alte Stadt. Sie war lange
seine Heimat gewesen und seine Frau Sorsha (Bild rechts)
erwartet ihn dort, doch war zuviel Nähe ein
Dorn in seinem Auge. Nicht nur, dass jeder, der ihm Nahe
stand, ihn verraten konnte – auch durch Liebe würde
er schwach werden. Zu groß das Risiko, dass seine
Feinde sich an seiner Frau oder gar Kinder rächen
könnten. Doch so stark seine Ängste auch waren,
es zog ihn dennoch zurück zu Sorsha. Und so überließ
er seine Gefährten für einen Tag den verwunschenen
Gassen der Metropole, während er sich zu seiner Gemahlin
aufmachte, um ihr viel zu erzählen und zu erklären.
Aber seine Ruhe währte nur eine Nacht lang, dann
musste er an der Akademie erscheinen, die sein Kommen
erwartete. Viel zu früh verließ er die schützenden
Mauern seines Heimes, in denen er nicht der Gezeichnete
war, der den Kampf mit dem Sphärenschänder erwartete,
der auf einen finalen Kampf aus war. Und auch viel zu
schnell wurde ihm wieder gewiss, warum ihm die Anwesenheit
der meisten Magier ein Gräuel war. In endlosen Gesprächen
und Diskussionen versuchten sie alle, sich selbst am Besten
in Stellung zu bringen und vergaßen so in ihrer
Selbstsucht das große Ziel, weswegen der Konvent
überhaupt einberufen worden war – nämlich
die Suche nach einem Artefakt, welches stark genug sein
sollte, dem Rückkehrer Einhalt zu gebieten. Der erste,
der die Gefährten darauf ansprach, war Tarlisin von
Borbra, den die Gruppe bereits von ihren Kämpfen
gegen Abu Terfas kannte. Er vertraute ihnen an, dass es
ein Desiderat geben sollte, dass große Macht im
Kampf gegen die Dämonenhorden verleihen sollte. Und
so begannen die Magister ihre Farce, die sie Konvent nannten.
Während jeder den Seminaren und Vorträgen beiwohnte,
in denen auch die Gezeichneten über ihre Zeichen
berichten sollten, versuchte doch jeder insgeheim, an
Wissen über dieses Artefakt zu gelangen. Schnell
stellte sich heraus, dass mindestens eine der an diesem
Spiel beteiligten Parteien keine Morde scheute, und schon
nach wenigen Tagen gab es drei Tote zu beklagen. Als Dharkaron
mutmaßte, dass das Amulett, was er vor Jahren im
Kloster Arass de Mott an sich nahm, ein Teil des Desiderates
sein konnte, ließ er seine Nachforschungen ein wenig
ruhen. Wer immer so viel Wissen über die Waffe besaß,
dass er dafür tötete, würde auch irgendwann
gegen ihn antreten müssen. Und spätestens dann
sollte klar sein, wer hinter all dem stecken sollte.
Doch ein zweites Problem tat sich für Dharkaron
auf: Zu groß war seine Neugier, was in Protozelemja
im LZS stehen könnte, dass er einige seiner Bücher,
die er gut geschützt in seiner Privatbibliothek aufbewahrte,
an Salpikon Savertin, den Vorsteher der Schwarzen Gilde,
verriet. Keine Stunde nach dem Gespräch suchten Dämonen
seine Bibliothek heim. Er versuchte, diese zu beherrschen,
doch in seiner Eile versprach er sich und sein Furor Blut
misslang. Stattdessen hatte er eine andere Pforte geöffnet,
und mit steinerner Mine gewahrte der Magier, dass er einen
Mehrgehörnten in sein Haus gelockt hatte. Nun fürchtete
er weniger das Magieverbot, was über der Stadt lag,
sondern viel mehr sein Leben, denn ein falsches Wort konnte
den Dämon in einen Kampfesrausch führen, aus
dem der Magier nicht mehr lebend entkommen konnte. Die
Zeit schien still zu stehen, als Dharkaron fühlte,
wie sein Blut gefror und sein Atem stockte. Die Sekunden
tropften dahin wie schwerer Al’Anfaianischer Honig,
als sich die Kreatur ihm zuwandte. Für einen halben
Augenblick verspürte der Magier die Macht und die
Wut, die der Dämon ausstrahlte. Er spürte auch
wieder sein Auge, das von den Möglichkeiten, die
mancher Dämon bot, durchaus angetan war. Doch schließlich,
es kam ihm wie Tage vor, auch wenn es nur wenige Minuten
waren, zog der Dämon sich in seine Sphäre zurück.
Erst viel später wurde Dharkaron bewusst, dass Salpikon
wohn mit viel größerer Macht hötte zugeschlagen,
wenn er der Urhheber des Angriffs gewesen wäre.
Doch sollte dies nicht das Ende der Ärgernisse
sein, die den Magier erwarteten. In einem Vortrag über
sein Zeichen erwähnte Angar beiläufig, dass
er ein wichtiges Amulett mit einem Onyxstein auf seinem
Zimmer versteckt habe. Und als dirket danach Alvina, die
rechte Hand des Magisters Eisenkober von Angbar, dem Vorsteher
der Wächter Rohals, sich nach einem Gespräch
mit ihrem Lehrer erhob und den Saal verließ, ahnte
Dharkaron, dass er eine neue Fährte aufgenommen haben
könnte. Schnellen Schrittes lief er durch die verwinkelten
Gassen Punins zur Herberge der Gruppe, ahnend, dass er
dort erneut auf Alvina treffen würde. Und seine Vorahnung
erfüllte sich, als er die Adeptin vor der Gaststätte
gewahrte. Sie schien ihn bemerkt zu haben, denn anstatt
den Versuch zu unternehmen, das Zimmer zu untersuchen,
wandte sie sich im letzen Augenblick um und verschwand
in einem kleinen Kräuterladen, der nahe der Herberge
stand. Dharkaron, der diese Spur weiter verfolgen wollte,
folgte ihr.
Der kleine Laden war voll mit Auslagen von exotischen
Kräutern, große Büschel hingen in Massen
von der Decke und ein herber Geruch durchströmte
die Luft. Ohne die ältere Frau, die hinter einer
hölzernen Theke stand, auch nur eines Blickes zu
würdigen, wandte sich Dharkaron Alvina zu, die interessiert
einige Kräuter begutachtete. Sie gab vor, von ihrem
Meister zum Einkauf geschickt worden zu sein, doch der
Magier glaubte ihr kein Wort. „Verrat!“ spürte
er eine altbekannte Stimme in seinem Kopf flüstern,
und erneut war es der Verfolgungswahn des Rubinauges,
der Kontrolle über die Handlungen Dharkarons übernahm.
Nicht darauf achtend, dass ein Zauberverbot über
der Stadt lag, und weiterhin die Inhaberin des Kräuterladens
völlig ignorierend, sprach er einen Bannbaladin auf
Alvina. Er spürte, wie sich eine Aura der Freundschaft
von ihm löste, wie sich Zeichen von Nähe und
Vertrautheit in die astrale Matrix legten, und er wusste,
dass ihm dieser Zauber überaus gut gelungen war.
Dennoch konnte er sich nicht sicher sein, ob er die Resistenz
Alvina überwunden hatte. Seine Fragen beantwortete
sie unbefriedigend und sagte, dass sie tatsächlich
nur zum Kräuterholen ausgesand sei. Daraufhin versuchte
Dharkaron, mit Listen herauszufinden, ob sie tatsächlich
unter seiner Kontrolle stand. Er bat sie, mit zu sich
nach Hause zu kommen, und als sie ihm folgte, ließen
die beiden eine überaus verdutzte Kräuterfrau
zurück. Bei sich zu Hause versuchte der Magier einige
weitere Tricks, bis er schließlich sicher sein konnte,
dass sie nur mit ihm spielte. Und nun übernahm erneut
der uralte Zorn die Handlungen Dharkarons. Kaltblütig
wie sein ganzes Wesen ging er ruhig auf sie zu, verwandelte
seinen Stab in ein Flammenschwert und hieb auf sie ein.
Doch der erste Hieb verfehlte sie, und Alvina schlug zurück,
indem sie eine verkürzte Version des Fulminictus
sprach. Dieser Zauber traf den Magier so heftig, dass
er sein Bewusstsein verlor. Als er wieder zu sich kam,
sah er seine Frau Sorsha, die ihn in Sorge betrachtete
– aber von Alvina fehlte jede Spur.
Erst jetzt realisierte er, in welche Gefahr er sich
gebracht hatte. Trotz Zauberverbotes hatte er astrale
Kraft ausgeübt und – schlimmer noch –
ein Mitglied der weißen Gilde angegriffen. Während
er nun erst Mal aus der Stadt in ein nahegelegenes Wäldchen
floh, suchte Sorsha Pogolosch, Asaria und Salpikon auf,
von denen sich Dharkaron Hilfe versprach. Salpikon hörte
den Vermutungen Dharkarons aufmerksam und interessiert
zu und versprach, mit ihm zu kooperieren. Erst nachdem
er einige weitere Fäden gesponnen hatte, kehrte der
Magier zurück nach Punin und hoffe, dass seine Rückkehr
seine Feinde zu Unvorsichtigkeiten verleiten könnte.
Schon nach kurzer Zeit bekam er von Eisenkober eine Anklage
zugestellt, doch durfte er sich bis zum Gerichtstermin
auf freiem Fuße bewegen. Noch während Dharkaron
überlegte, wie er wohl mit dieser neuen Konfrontation
mit Eisenkober umgehen könnte, erreichte ihn am Abend
des Tages eine noch schlimmere Nachricht. Die Gestalt,
die anscheinend in der Lage war, sich sein Aussehen zu
geben, hatte Sorsha getäuscht. Sie hatte seinem Doppelgänger
die Türe geöffnet und dieser hatte sie entführt.
Nun geriet sein Denken völlig außer Kontrolle
und nur vom Gedanken an Rache getrieben überlegte
er, was zu tun sei. Gemeinsam mit einigen aus seiner Gruppe
griffen sie die Idee Asarias auf und verfolgten mit Spürhunden
Sorshas Spur. Zu seiner Überraschung führten
die Hunde sie zurück zur Akademie. Es schien unwahrscheinlich
zu sein, dass seine Frau ausgerechnet in der Akademie
zu Punin gefangen gehalten wurde, doch war er längst
nicht mehr zu einer vernünftigen Überlegung
im Stande. Die Gier nach Rache trieb ihn dazu, in seine
eigene Ausbildungsstätte einzusteigen und dort nach
seiner Frau zu suchen. Er war so aufgebracht, dass er
nicht einmal die übliche Sorgfalt walten ließ
und stattdessen einige schmerzliche Fallen auslöste.
Doch schließlich hörte er dumpfes Stöhnen
und hatte sie gefunden.
to be continued...
©2005-2006 David
Lutz
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